• Niels Strohkirch

Geht in Deutschland bald das Licht aus?

Updated: Jan 5

Was ist nicht alles passiert in 2021? Und nachdem wir COVID-19 in 2022 immer noch nicht los sind, haben wir Ende 2021 so wie als Tüpfelchen auf dem „i“ auch noch 3 Atomkraftwerke abgeschaltet in Deutschland (Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C). Ja, sind wir denn jetzt alle verrückt geworden? Sieht die Politik denn nicht den gewaltigen Anstieg der Energiepreise? Wie sollen all die E-Autos mit Strom versorgt werden in nicht so ferner Zukunft? Die Franzosen machen es „richtig“, die wollen mehr Atomkraftwerke bauen und die EU will/wird das als Klimaneutral unterstützen, nicht nur mit Worten, sondern mit viel Geld. Und fast habe ich es in dem Trouble vergessen, ja, die Russen liefern schon kaum noch Gas nach Deutschland, Nordstream 2 wird wohl erst in Monaten, wenn überhaupt, genehmigt und dann hängen wir von den Russen ab. Also, nochmal, und wir schalten unsere letzten Atommeiler ab. Die letzten 3 verbliebenden Meiler dann Ende 2022 (Neckarwestheim, Isar 2 und Emsland).


Müssen wir in absehbarer Zeit mit Blackouts rechnen, wenn 2022 auch die 3 letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen?


Ich habe mal versucht zu recherchieren, wo wir derzeit in Deutschland stehen und was es wirklich bedeutet, neben der politisch-ideologischen Diskussion, ob pro Atomkraft oder gegen Atomkraft.





Hier nun ein paar Fakten von DeStatis:



https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/12/PD21_572_433.html


Die gesamte Stromeinspeisung durch Kernenergie war im 3. Quartal 2021 bei 14,2 % der gesamten Einspeisung in Deutschland, was insgesamt 16,8 Mrd kWh entspricht (Tabelle 2).



(Tabelle 2)


Für das 2019 und 2020 sah es so aus:



(Tabelle 3)

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/03/PD21_101_43312.html


Hier ist die Atomenergie im Jahr 2020 bei 12% für Deutschland.


Import im 3. Quartal 2021:



4,2 Mrd kWh kommen aus Frankreich. Leider kann ich es nicht sicher nachweisen, aber ist es fair anzunehmen das der französische Strom wohl eher aus Atomkraft besteht als aus anderen Quellen?


Was muss kurzfristig kompensiert werden und wie könnte das passieren?


Die 3 abgeschalteten Atomkraftwerke hatte eine Leistung von insgesamt 4 GW. Die 3 weiteren und Ende 2022 abzuschaltenden ebenfalls von 4GW. Wir sind damit also bei insgesamt 8GW Gesamtleistung, die sagen wir mal etwa 12 % der deutschen Stromeinspeisung abdeckt bzw. abgedeckt hat, was ca. 61 TWh Einspeisung pro Jahr entspricht. Diese muss nun ersetzt werden, nur wie und womit.


Das DIW in Berlin hat dazu eine Studie geschrieben (https://www.diw.de/de/diw_01.c.830219.de/publikationen/wochenberichte/2021_47_1/atomwende__abschaltung_von_kernkraftwerken_eroeffnet_perspektiven_fuer_die_endlagersuche.html#box1-collapsible). Nun wird es ein bisschen komplexer aus meiner Sicht und ich bitte alle Ingenieure um Nachsicht wie ich das hier beschreibe. Strom fließt und muss somit immer im Netz in Fluss sein. Um das zu gewährleisten, gibt ein komplexes System des Engpassmanagements und hier verlasse ich mich auf Berechnungen des DIW. Ich selbst habe weder die Mittel noch die Fähigkeiten, die Substanz dieser Aussagen im Detail zu prüfen, sie erscheinen mir jedoch zumindest schlüssig. Der Ausgleich folgt über das bereits vorhandene Engpassmanagement, das in 2019 14 TWh betrug. Das DIW geht davon aus das das ohne Atomkraft auf 18 TWh steigt, was in den Jahren 2016-2020 einen Maximalwert dargestellt hat. Es erschein somit machbar.




Ich denke, das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, wir werden Strom importieren müssen und mehr Strom aus Kohle und Gas einspeisen, womit der CO2-Ausstoß steigen wird, bis mehr erneuerbare Energien aufgebaut sind. Es benötigt sicher auch mehr Kooperation mit unseren direkten Nachbarn, um den Stromfluss durchlässiger zu gestalten und mehr Flexibilität im Stromimport und -export zu erreichen.


Fazit


Die Abschaltung der letzten Atomkraftwerke in Deutschland erscheint mir als nicht problematisch, was die Aufrechterhaltung der Stromversorgung für die Privathaushalte und der Industrie angeht. Ein Blackout scheint zumindest in naher Zukunft nicht sehr wahrscheinlich zu sein. Es muss dennoch neu geplant, vor-geplant und Strategien entwickelt werden, die neuen Herausforderungen zu meistern. Ein Teil, der bislang kaum angesprochen wurde, ist die Aufgabe der Batteriespeicherung, vor allem im Kontext von großen Erzeugeranlagen um die Einspeisung so flexibel wie möglich zu gestalten und Überkapazitäten aus erneuerbaren Energien sinnvoll zu nutzen.


Nachtrag


Warum Frankreich so in Richtung Kernenergie plädiert, erklärt diese Schaubild für 2019 ganz gut:






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